Was ist EBM ?

Evidence Based Medicine Seit nunmehr fast zehn Jahren geistert dieser Begriff , abgekürzt EBM,  durch die gesundheitspolitische und medizinische Welt.

Er ist aber schon älter und kann bis ins 19. Jahrhundert zurückgeführt werden.
In den letzten Jahrzehnten hat sich besonders Prof. Sackett von der Oxford-University mit EBM befasst.

Wenn man ins Wörterbuch schaut, bedeutet:

 „Evidence" : Beweis, Befund, deutlich sichtbar machen, Zeugnis.

„evidence based" ist wertfrei etwa folgendermaßen zu verstehen:

auf Beweise begründet, der Sachverhalt ist für alle deutlich sichtbar bewiesen.

 

Im Deutschen wird der Begriff „Evidenz" verwendet, der wohl am besten mit

„Beweisbarkeit" zu übersetzen ist.

 

Es stellt sich die Frage, in wie weit das „Wissenschaftliche" mit dem Begriff „Evidenz" in Zusammenhang steht, zumindest in der Naturmedizin. Hier könnte CAM - Complementary and Alternative Medicine - einen Ansatz finden.

Prof. Sackett prägte den Namen „Evidence Based Medicine" als eigene medizinische Disziplin. Damit gab er eine Definition vor, die aus dem akademischen Bereich kommt und dessen Vokabular, wissenschaftliche Beweisführung sowie Klassifikationen verwendet. Seine Definition lautet: "Evidenzbasierte Medizin ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten."

Hier taucht der Begriff „wissenschaftlich" auf. Ohne diesen Begriff wäre es für CAM kein Problem, die EBM anzunehmen.

 

Aber warum oder wofür wurde EBM überhaupt entwickelt?

 

Der Anwender (Arzt, Pflegepersonal, etc.) soll eine Hilfestellung erhalten, um sich im Dschungel vielfältiger Publikationen und Therapiemöglichkeiten zurecht zu finden. Außerdem wurde eine spezifische Methodik entwickelt, die es ermöglicht, EBM zu nutzen.

 

Wie sieht Evidenz in der Praxis aus?
 

Sie sieht fünf Stufen vor:

1. Die fünf Ebenen der Evidenz (von stärkster Evidenz (a) bis schwächster Evidenz (e))

a. eine systematische Beurteilung auf der Basis methodisch hochwertiger randomisierter kontrollierter Studien

b. wenigstens eine methodisch hochwertige Studie

c. methodisch hochwertige Studie ohne Randomisierung (Kohorten-, Fall- und Kontrollstudien)

d. mehr als eine methodisch hochwertige nichtexperimentelle Studie

e. Meinungen und Überzeugungen von Autoritäten und Expertenkommissionen

 

Wie geht der Anwender vor?

2. Konkrete Vorgehensweise:

Theorie

Praxis

1.

Am Anfang steht ein konkreter Fall

Am Anfang kommt ein Patient

2.

mit einer konkreten Fragestellung

mit Schmerzen

3.

die eine Literaturrecherche ermöglicht

die ich in einem Buch wiederfinden könnte

4.

die Literatur wird identifiziert

ich finde das passende Buch

5.

kritisch gewürdigt und

finde einen passenden Hinweis für meinen 

Patienten

6.

das Ergebnis in praxisrelevante Angaben umgesetzt sowie

kombiniere es mit dem aufgeführten Medikament

7.

am einzelnen Fall angewandt.

und gebe es dem Patienten

 

3. EBM- „Handwerkszeuge" für Therapie und Diagnose sind folgende:

- NNT (Number Needed to Treat) gibt die Anzahl der Patienten an, die über eine Studiendauer behandelt

  werden müssen, um ein Ereignis zu verhindern.  

- NNH (Number Needed to...Harm) gibt die Anzahl der Patienten an, die behandelt

   werden muss, um in dieser Episode Nebenwirkungen auszulösen.

- Der Anwender ist gehalten, NNT und NNH in einer vernünftigen Relation

  zueinander zu halten.

- RELEVANZPRÜFUNG: Trifft es die Praxissituation? Trifft es die Patientensituation?

- Nur ein relevantes Ergebnis wird auch angewandt!

 

Diese drei Beispiele geben einen guten Einblick in die Gedankenwelt von EBM.  Die Frage nach dem Nutzen dieser papierverschlingenden Maßnahme drängt sich auf.

EBM dient hier als die qualitätssichernde Maßnahme, deren Grenzen deutlich benannt werden:

- eindeutige Fragestellungen fallen schwer!

- Entscheidungen fallen unter Zeitdruck!

- falsche Suche ergibt eine falsche Evidenz!

- Gefahr der Verteuerung im Gesundheitswesen!

- unbekannte Terminologie verringert die Akzeptanz!

- alle Antworten ohne Evidenznachweis entfallen!

 

Man beachte:

Es werden evidenzbasierte diagnostische und therapeutische Leitlinien entwickelt und verwendet, die sich auf den Durchschnittsfall und den statischen Standard beziehen. Individuelle Fragestellungen können nicht durch generelle Leitlinien abgedeckt werden.

 

In den letzten Jahren wurden in Deutschland hausärtzliche Leitlinien, Pflegedienste, qualitätsgesicherte Praxen und Krankenhäuser nach EBM-Maßstäben entwickelt und umgestaltet. EBM wurde zum Maß aller Dinge und ist heute aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Die technische Vernetzung aller EBM-Maßnahmen finden wir verwirklicht in der sogenannten Telematik.

 

Telematik.

Die Telematik stellt die europaweite Versicherungs-Card (Firma Siemens) zur Verfügung, um dem EU-Verbraucher, der in diesem Falle ein erkrankter Verbraucher ist, mit generellen Leitlinien Qualität in der Versorgung von Oslo bis Palermo zu garantieren.

 

Für die Naturheilkunde, Naturmedizin, Komplementärmedizin, CAM, die traditionellen Verfahren und Medikamente - wie immer dieser Bereich benannt wird - stellt sich noch dringender die Frage des Überlebens: 

Wo ist in einer EBM-bestimmten Gesundheitswelt, die sich auf oben aufgeführte Beurteilungs- und Anwendungskriterien als die einzig möglichen bezieht, der Platz für „unsere Medizin“, die traditionell bewährte Naturheilkunde?

 

In der EU-Gesetzgebung wurden in der Vergangenheit Medikamente einer strengen Nachzulassung unterworfen. Um EBM in ihrer vollen Tragweite zu begreifen, ist es notwendig, die bisher vorgenommenen Schritte als Teile des EBM-Prozesses zu verstehen.

 

Aktuell sehen wir, wohin der Weg führt: 

Monatlich gibt es Nachrichten von juristischen Schritten gegenüber Anwendern von CAM ( Complementary and Alternative Medicine ) in Europa, die nicht nach EBM-Richtlinien ausgebildet sind, arbeiten oder verordnen.

 

Es ist daher allergrößte Eile geboten, eine Positionsbestimmung von Seiten der CAM gegenüber der EBM zu entwickeln, um daraus weiterführend eine eigene Position zu definieren.

 

Alt eingeführte Ausbildungsinstitute und die bisherige  Weitergabe von Wissen könnten verschwinden.  Bereits Anfang des Jahres begann der EU-Probelauf in  jedem Mitgliedsstaat mit einem universitätsgebundenen Lehrgang in Sachen Naturmedizin  als Zusatzqualifikation. Dieser Diplomstudiengang, jetzt noch ein zartes Pflänzchen, könnte der Maßstab von allem naturheilkundlichen Tun im Europa der Zukunft werden.und die bisherige Weitergabe von Wissen  könnten verschwinden. Bereits Anfang des Jahres begann der EU-Probelauf in EBM dient hier als die qualitätssichernde Maßnahme, deren Grenzen deutlich benannt werden:


eindeutige Fragestellungen fallen schwer!
Entscheidungen fallen unter Zeitdruck!
falsche Suche ergibt eine falsche Evidenz!
Gefahr der Verteuerung im Gesundheitswesen!
unbekannte Terminologie verringert die Akzeptanz!
alle Antworten ohne Evidenznachweis entfallen!

 

Man beachte:

Es werden evidenzbasierte diagnostische und therapeutische Leitlinien entwickelt und verwendet, die sich auf den Durchschnittsfall und den statischen Standard beziehen. Individuelle Fragestellungen können nicht durch generelle Leitlinien abgedeckt werden.

 

In den letzten Jahren wurden in Deutschland hausärtzliche Leitlinien, Pflegedienste,

qualitätsgesicherte Praxen und Krankenhäuser nach EBM-Maßstäben entwickelt und umgestaltet.

EBM wurde zum Maß aller Dinge und ist heute aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken.

Die technische Vernetzung aller EBM-Maßnahmen finden wir verwirklicht in der sogenannten

  

Aktuell sehen wir, wohin der Weg führt:

Monatlich gibt es Nachrichten von juristischen Schritten gegenüber Anwendern von CAM ( Complementary and Alternative Medicine ) in Europa, die nicht nach EBMRichtlinien ausgebildet sind, arbeiten oder verordnen.

 

Es ist daher allergrößte Eile geboten, eine Positionsbestimmung von Seiten der CAM gegenüber der EBM zu entwickeln, um daraus weiterführend eine eigene

Position zu definieren Alt eingeführte Ausbildungsinstitute und die bisherige Weitergabe von Wissen könnten verschwinden.

 

Bereits Anfang des Jahres begann der EU-Probelauf in Naturmedizin als Zusatzqualifikation. Dieser Diplomstudiengang, jetzt noch ein zartes

Versuchspflänzchen, könnte der Maßstab von allem naturheilkundlichen Tun in Europa der Zukunft werden.

 

So wie es Prof. Sackett vor Jahren im Bereich der „Schulmedizin“ gelang, eine Systematik zu entwickeln, so sind die professionellen Vertreter der CAM in Europa und jedem einzelnen Mitgliedsland gefordert. 

Sie sollten ihre ganzen Kräfte und Mittel dazu verwenden, einen eigenen Beitrag wie etwa „Experience Based Medicine- ExBM“ zu entwickeln.

 

Die kritiklos genutzte „Keule“ der Wissenschaftlichkeit, mit der grundsätzlich argumentiert wird, ist ein Dogma. 

Die Kritik an der Wissenschaft ist ein über viele Jahrhunderte andauernder Prozess, auf den CAM sich berufen könnte.

Diese Arbeit müsste geleistet werden (Stichworte: Wissenschaftskritik, Imagination, Empathie, Materialismus, gesponserte Wissenschaft, der Elfenbeinturm).

 

Diese „ExBM“ könnte die Vorteile von EBM berücksichtigen, könnte CAM-spezifische Kriterien entwickeln und so zu einer modernen Form von CAM führen, die auch in EU-Amtsstuben anerkannt und geschätzt wird. Heute haben wir leider außer einigen unverbindlichen Mosaiksteinen ( Berufsordnung, Gesetzeslage, Fortbildungspunkte, Qualitätszertifikate) nur die unterschiedlichsten europäischen Regelungen.

 

Fazit:

 

Die Bürokratie in Brüssel und Straßburg ist nicht gegen CAM eingestellt;

Skepsis und EU- Verbrauchersicherheit bestimmen das Meinungsbild.

Sie hat allerdings auch keinerlei Kenntnis von der traditionellen Vielfalt oder gar persönliche Erfahrung.

Um dieses Defizit zu beseitigen und als Argumentationsgrundlage benötigen

wir dringend einen die CAM und „ExBM“ betonenden Leitlinienkatalog, um das, was wir zum Wohle der Patienten tagtäglich tun, nachvollziehbar zu

dokumentieren. Ferner brauchen wir eine der EBM vergleichbare Grundlage,

die Ausbildung, Praxis, Medikation und Therapie beinhaltet.

Diese äußerst umfangreiche Arbeit könnte von einer Kommission erbracht

werden, die von Seiten der Berufsverbände und anderer Interessenten

beauftragt und sowohl personell als auch finanziell ausgestattet wird.

 

Autorin: Nora Laubstein, ANME e.V.

 

 AutorIn: Nora Laubstein

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